30 Jahre RENO RHEIN RUHR

 

Festrede des 1. Vorsitzenden der RENO RHEIN RUHR Josef Maria Diepmans:

 

Sehr verehrte Damen und Herren,

sehr geehrte Gäste,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

zu der heutigen Festveranstaltung aus Anlass des 30-jährigen Bestehens der RENO RHEIN RUHR heiße auch ich Sie herzlich willkommen. Eigentlich hatten wir ja gestern Geburtstag, denn am 7. September 1977 wurde die RENO RHEIN RUHR gegründet.

 

Besonders freuen wir uns darüber, dass Sie, verehrte Gäste, unserer Einladung nach Oberhausen gefolgt sind.

Wir bedauern es sehr, dass nur Sie unserer Einladung gefolgt sind. Gern hätten wir auch die weitere Vertreter der örtlichen Anwaltsvereine begrüßt.

 

Gestatten Sie mir, dass ich ihnen über unsere Vereinsgeschichte einen kurzen Abriss gebe:

 

30 Jahre sind es nun, die dieser Verein aktiv sein Wesen, für manchen vielleicht auch Unwesen treibt. Waren es im Herbst des Jahres 1977 einige verwegene Gestalten von Rechtsanwalts- und/ oder Notariatsangestellten und Bürovorstehern, die darüber nachgedacht haben, einen Verein zu gründen mit dem Ziel, die Aus- und Fortbildung des Berufsstandes auf die Fahnen zu schreiben. Aktiv in einer Anwalts- oder Notarkanzlei ist von ihnen heute nur noch einer.

 

Aus der Erzählung heraus muss es sich folgendermaßen zugetragen haben. Da war der Nestor – laut Wikipedia war es ein Held in der griechischen Mythologie, aber auch ein Märtyrer in Thessaloniki im 4. Jahrhundert, aber auch ein Heiliger, sodann ein Patriarch in Konstantinopel schließlich in der Bildungssprache einen ältesten (hochbewährten, hochangesehenen) Angehörigen einer wissentschaftlichen oder anderen Gruppe – also der Nestor unseres Vereins, Theo Buschkühl, der einige ihm bekannte RENOs an den Tisch zusammenrief und eben diesen Verein gründete. So könnten wir jetzt auch von den „Gründervätern“ unseres Vereins sprechen, also jene Personen, die an der Geburt der Idee dieser Vereinigung maßgeblich beteiligt waren.

 

Damals war Theo Buschkühl 54 (das bin ich heute). Meines Wissens zog er seine Tochter Monika, die im gleichen Büro tätig war, mit ins Boot. Dann holte er sich den Bürovorsteher Detlef Honsberg aus Düsseldorf, einen Jürgen Scheer aus Moers, eine Marion Jungwirth, Claudia Pieper sowie einen Ulrich Kellermann aus Bochum. So waren es tatsächlich 7, die notwendig waren um diesem Verein Leben einzuhauchen. Die Zahl sieben war ja schon bei Grimms Märchen, ob bei den 7 Zwergen oder 7 auf einen Streich. Möglicher Weise kamen diese 7 aber auch bei dem Namen ins grübeln. Gleichwohl, die RENO und auch die RENO RHEIN RUHR ist in vielen Bereichen des Berufsstandes nicht mehr wegzudenken.

 

Nun, an dieser Stelle möchte ich die anwesenden Gründungsmitglieder ebenfalls recht herzlich begrüßen. Ich freue mich besonders, dass Theo Buschkühl unserer Einladung gefolgt ist. Er war auch hier der erste, der spontan sein Kommen angekündigt hat.

Anwesend sind auch Detlef Honsberg, Ulrich Kellermann und Gerlinde Philipps. Nicht unerwähnt bleiben dürfen aber auch die anderen Vorstandsmitglieder Claudia Pieper, Ingrid Haber, Jürgen Keldungs und Petra Dovern, die alle über viele Jahre hinweg unermüdlich Vorstandsarbeit geleistet haben.

 

Nach der Gründung des Vereins wurde dann kräftig die „Werbetrommel“ gerührt und in verschiedenen Städten des Reviers weitere Treffen durchgeführt mit dem Ziel, eine stattliche Anzahl von Mitgliedern zu gewinnen. So ist es dann auch geschehen.

Schon 1978 hat der damalige 2. Vorsitzende offensichtlich recht schnell erkannt, wie viel Arbeit darin stecken kann, wenn ein junger Verein aus Kinderschuhen wachsen will. So hat nach ca. 5 monatiger Amtsdauer Jürgen Scheer sein Amt zurückgegeben.

 

Da fiel es dem damaligen Vorstand, insbesondere dem Vorsitzenden Detlef Honsberg schnell wieder ein, dass ein junger RENO namens Josef Maria Diepmans auf der Vertreterversammlung im November 1977 in Dortmund gesagt hat, dass er nicht nur passives Mitglied sein wolle. Also berief ihn der damalige Vorstand bereits im Februar 1978 kommissarisch in sein Amt, das er nach seiner Wahl 1979 bis 1993 inne hatte.

Detlef Honsberg führte die RENO RHEIN RUHR von Beginn an als Vorsitzender bis 1993. Daneben war Detlef Honsberg auch über mehrere Jahre im Vorstand der RENO Deutsche Vereinigung tätig. In dieser Hochzeit hatte die RENO RHEIN RUHR sogar bis zu 400 Mitglieder, eine Zahl, die danach nicht mehr erreicht wurde.

 
Als Vorreiter für einige Ortsvereinigungen und auch für den Bundesverband hatte die RENO RHEIN RUHR damals in Düsseldorf eine zentrale Geschäftsstelle, zunächst auf der Brunnenstr. 55 in Düsseldorf. Dorthin zog im Wandel der Zeit auch der Bundesverband. Damit begann auch dort m.E. eine neue Ära. Die RENO RHEIN RUHR bezog später dann wieder Räume in der Eintrachtstraße, ebenfalls Düsseldorf.
 

Die Geschäftsstelle war natürlich nicht – wie heute – tagsüber besetzt, so dass wir uns der damaligen Telekommunikation bedienten. Wir hatten also Telefon und auch einen Anrufbeantworter. In dieser Zeit gab es also auch humorvolles. Da konnte man damals wie heute hinterfragen, was eigentlich RENO ist. Viele der Älteren kennen vielleicht noch die Zigarettenmarke erinnern, deren Ende sicherlich auch heute vorauszusehen wäre, da doch die Raucher immer weniger werden und eine Minderheit bilden. Darüber hinaus gab und gibt es auch einen Schuhversand. Nicht selten landeten damals auf der Geschäftsstelle in Düsseldorf Anrufe unzufriedener Kunden, die gern ihre kaputten Schuhe reklamieren wollten. Und zu guter letzt gibt es eben die oder auch den RENO. Ein Begriff, den fast nur Insider kennen. Wofür steht dieser Begriff eigentlich? Sie, verehrte Anwesende wissen es. Richtigerweise zunächst für den Rechtsanwalt und Notar. Das sind wir nicht. Der oder die RENO ist aber der Mitarbeiter/in in den Anwaltskanzleien und diese haben alle Hände voll damit zu tun, vieles zu wissen oder auch alles können zu müssen. Da wird manchmal die Frage, woher wir das wissen, nicht gestellt. Wir, die RENOs bilden uns nämlich fort und das nicht erst in den letzten Jahren. Wir sind aber nicht nur ein Seminarverein sondern aktiv tätig, unseren Mitgliedern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Oftmals werden Fragen per e-mail beantwortet. Selbst aber eine Klage beim Arbeitsgericht war schon mal notwendig. Der RENO ist aber auch Verbindungsglied in der Rechtspflege. Sei es bei Gericht, wenn doch mal ein Problem mit einem Rechtspfleger besprochen werden muss oder gegenüber den Vollstreckungsorganen, den Gerichtsvollziehern mit denen wir in der Praxis doch oft zu tun haben, sei es, dass es um die Bewilligung von Ratenzahlungen geht oder wenn andere Probleme bei der Zustellung oder Abwicklung eines Auftrages zu Tage treten. Aber auch dann, wenn mal schnell etwas erledigt werden muss. Der Gerichtsvollzieher verlangt doch in der Regel den Bürovorsteher, da dieser mit und in der Zwangsvollstreckung vertraut ist.

 

Seit der Gründung unserer Vereinigung sind wir, bzw. Mitglieder unserer Vereinigung in einzelnen Prüfungsausschüssen der Rechtsanwaltskammern als Arbeitnehmervertreter tätig. Außerdem wurden nach Benennung durch den Landesverband vom Justizminister des Landes NRW einzelne Mitglieder in die Berufsbildungsausschüsse der Rechtsanwaltskammern Düsseldorf und Hamm berufen. Neben den Gewerkschaften wird die RENO immer wieder als berufsständische Vereinigung gefragt, wenn es eben um die Besetzung dieser Ausschüsse geht.

 

Ich schweife ab, aber es sei doch erlaubt, darüber ein paar Worte zu verlieren.

Das jähe Ende der Vorstandtätigkeit unseres damaligen Vorsitzenden Detlef Honsberg im Bundesverband Mitte der 90er Jahre brachte dann eine Trennung bzw. Kündigung im Bundesverband, die von unserem Vorstand und der Mitgliederversammlung getragen wurde.

 

Seine berufliche Veränderung und seine Aktivitäten in den neuen Bundesländern, insbe-sondere in und um Leipzig ließen es nicht mehr zu, dass er weiterhin hier aktiv im Vorstand mitarbeiten konnte. Die Mitgliederversammlung ehrte ihn 1993 für seine Verdienste. Zugleich wurde er zum Ehrenvorsitzenden der RENO RHEIN RUHR ernannt. Diese Ehrung ist bis heute einzigartig. Selbst weitere Ehrenmitglieder wurden bis heute nicht ernannt.

In der Folgezeit schwanden nicht nur die Mitglieder, sondern auch die Mitglieder im Vorstand. Es wurde eine schwierige Zeit, zumal sich niemand bereit erklärte Vorstandsarbeit zu leisten. Ich erinnere mich, auf einer Mitgliederversammlung wurde darüber diskutiert, dem Bundesverband wieder beizutreten. Statt dessen kamen aber auch Stimmen auf, die den Verein aufgeben wollten. Dies fand keine Zustimmung, insbesondere nicht beim damaligen Vorstand.

 

Ein Wandel dann zum Ende des letzten Jahrhunderts. Eine Bereinigung der Mitgliederkartei führte vielleicht zum Erfolg. So fand sich die zweite Vorsitzende Frau Susanne Weidmann, die nun seit 1999 aktiv tätig ist. Es ging wieder bergauf. Als dann auch in der Mitglieder-versammlung 2003 mit Andrea Oostenryck ein weiteres neues Vorstandsmitglied gefunden wurde, waren zwar immer noch nicht alle Vorstandsämter besetzt; m.E. Begann aber die Zeit des Aufbruchs.

In dieser Mitgliederversammlung wurde heftig diskutiert, nicht etwa erneut darüber, den Verein aufzulösen sondern darüber, dem Bundesverband wieder beizutreten. Auf dieser Mitgliederversammlung im November 2003 wurde zugleich der Beitritt zum Bundesverband beschlossen, ein Geheimnis, welches erst auf dem RENOtag 2004 in Berlin gelüftet wurde. Viele der Anwesenden werde sich sicherlich an meine Worte in Berlin erinnern.

 

Seitdem geht es uns, der RENO RHEIN RUHR doch recht gut. Wir haben zwar nicht die Mitgliederzahlen wie andere Ortsvereine, wir sind aber wirtschaftlich gesund trotz Körperschafts- oder Gewerbesteuer, die uns durch die erfolgreichen Seminare zum RVG gute Einnahmen bescherten. Wir haben die Hoffung, dass dies weiterhin der Fall sein wird.

 

Gerade bei den Seminaren haben wir mit anderen Anbietern zu kämpfen. Gilt es doch, Fachbildung durch Fortbildung so weiterzugeben, wie dies von vielen Teilnehmern bekundet wird „weiter so“. Die Konkurrenz ist groß; fast täglich flattert uns ein Flyer irgendeines Fortbildungsanbieters auf den Tisch. Konkurrenz belebt andererseits das Geschäft. Nur durch Qualität können wir uns gegenüber anderen Anbietern wehren.

 

Großen Anklang fanden insbesondere die in den letzten Jahren durchgeführten Seminar-reihen „Das automatisierte gerichtliche Mahnverfahren / Einführung in die Zwangsvoll-streckung / Grundzüge RVG“ nur für die Auszubildenden. Aber auch alle anderen Seminare standen den Auszubildenden offen und waren willkommen.

 

Die RENO im allgemeinen hat in den vergangenen Jahrzehnten auch immer daran partipiziert, wenn der Gesetzgeber, eine Gesetzesänderung vorgenommen hat. Einige Stichpunkte:

 

1977 war es die Einführung des Familienrechts

1984 und 1991 die Änderung der BRAGO

1999 die neue Insolvenzordnung

2002 die Schuldrechtsreform und die ZPO-Reform

2004 das RVG

Zwischendurch gab es viele weitere Gesetzes-änderungen, wie z.B. die Novelle zur Änderung der Zwangsvollstreckung oder das automatisierte gerichtliche Mahnverfahren.
 

Alle Änderungen hat die RENO auch dazu genutzt, ihre Kontakte zu den anderen Organen der Rechtspflege zu stärken. Viele Dozenten unserer Seminare kamen von der Fachhoch-schule für Verwaltung und Rechtspflege in Hildesheim mit den Fachhochschullehrern Johannes Kreutzkam, Berthold Haferland und Klaus Hagemann, Dozenten der FHS Berlin mit Prof. Behr und Prof. Lappe. Aber auch Prof. Dr. Grote im Insolvenzrecht hat uns den rechten Weg für die Praxis gezeigt. Nicht unerwähnt bleiben dürfen die Dozenten der Notarkosten-fachmann Tiedtke aus München, oder Horst-Reiner Enders, der Kostenpapst des JurBüro, nicht zuletzt auch Dipl.-Rechtspfleger Uwe Salten aus Iserlohn, für das maschinelle Mahnverfahren oder Dipl.-Rechtspfleger Peter Mock aus Koblenz für das RVG. Allen sei ganz herzlich für ihr Engagement gedankt.

 

Ein besonderer Dank gilt aber auch unserem sehr geschätzten Kollegen Fritz Reibold, der seit Jahrzehnten für den Bundesverband und anderen RENO-Vereinigungen, hier aber seit Gründung unserer Vereinigung in zahlreichen Seminaren sein Wissen an junge Kollegen weitergegeben hat. Er war auch der letzte Dozent, den wir im Juni diesen Jahres begrüßen konnten.

 

Gern hätten wir „unsere“ Dozenten hier begrüßt. Einige von ihnen haben anderweitige Dozentenverpflichtungen. Alle haben sich über die Einladung zu der heutigen Veranstaltung gefreut und ihre Glückwünsche übermittelt. Stellvertretend für alle möchte ich ihnen die Nachricht von Herrn Horst-Reiner Enders mitteilen:

 
„Dennoch beglückwünsche ich die RENO RHEIN RUHR zu Ihrem 30-jährigen Jubiläum. Meine Hochachtung, was Sie und die anderen Damen und Herren vom Vorstand in den vergangenen Jahen im Sinne des Berufsbildes geleistet haben und das Ganze in der Freizeit und ehrenamtlich. Dies gilt natürlich auch für die anderen Damen und Herren Kollegen, die in den vielen, vielen anderen Ortsvereinen tätig sind.“
 
Ich glaube, dass die RENO RHEIN RUHR auch zukünftig mit Leben erweckt bleiben wird. Daran habe ich keinen Zweifel, wenn ich auf meine beiden Vorstandskolleginnen Susanne Weidmann und Andrea Oostenryck schaue. Ihnen möchte ich an dieser Stelle ganz herzlich danken. Über kleine und große Dinge, sicherlich auch dank der Technik Internet oder e-mail, haben wir viele Fragen schnell und unkompliziert abstimmen können. Das war nicht immer so.
 
Genau so ist es inzwischen mit der Geschäftsstelle des Bundesverbandes. Durch die moderne Technik ist auch hier eine schnelle Kommunikation möglich. Seit dem Jahre 2004 ziehen wir mit an einem Strang und gehören als ordentliches Mitglied dem Bundesverband an.

Während unserer Abwesenheit als Mitglied hatte es sich der Bundesverband auf die Fahne geschrieben – wie auch hier zu lesen ist – GEMEINSAM MEHR ERREICHEN. Gemeinsam geht es nur, wenn die Interessen – und als berufsständische Vereinigung ist es so – gleicher-maßen von allen getragen werden. In meinen Analen habe noch einen Hinweis gefunden, dass ich 1990 schon dem Bundesverband geschrieben habe „Packen wir es an! Gemeinsam geht's besser, oder?

 

Zum guten Schluss möchte ich meiner Frau und meinem Sohn danken, die mich doch oft viele Abende entbehrt haben. Meistens saß ich dann oben an meinem Schreib-tisch. Die Vorbereitung und Durchführung der Seminare, Bestätigungen, Korrespondenzen haben manchmal viel Zeit gekostet. Eigentlich sollte ich ja mit 50 aufhören. Jetzt bin ich bereits 54. Für die RENO RHEIN RUHR habe ich noch ein Ziel; 30 Jahre gewähltes Vorstandsmitglied sollten es schon sein. Nach dem 17. März 2009 wäre dann ein neuer Vorsitzender zu wählen. In diesem Sinne. Machen wir weiter und packen wir es an.

 
Lassen Sie uns nun gemeinsam auf 30 Jahre RENO RHEIN RUHR, ein Verein im Dienste des Rechts zwischen Bochum und Düsseldorf anstoßen. Ich lade Sie ein, mit uns auf unser gemeinsames Wohl zu trinken.
 

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.


 

  Top

  Back

  Home

  Print

  E-Mail